Rifugio Fiorasca
Info
Zeit: ca. 3 h für trainierte Wanderer, ohne Ausdauer in steilerem Gelände kann leicht eine Stunde dazukommen
Start: Parkplatz vor der Alpe Brünesc bzw. Corte Grande (1522 m ü. M.).
Achtung: Kurz hinter Broglio ist die Straße durch eine Schranke gesperrt, am besten vorab bei der SAV Vallemaggia oder bei der Gemeinde Prato-Sornico nachfragen ob sie jemand für die Durchfahrt öffnen kann
Ziel: Rifugio Fiorasca (2085 m ü. M.)
Höhendifferenz: ca. 776m hoch bis zur Bocchetta di Fiorasca (2298 m), von dort 213 Höhenmeter runter bis zur Fiorasca Hütte
Schwierigkeit: T3
(der Weg hat einige Stellen, die für nicht ganz schwindelfreie schwierig werden können, für mich war die schwierigste Stelle das Wiesenstück ab der Bocchetta hinunter zur Fiorasca - ca. 50 m sehr steil mit Tiefblicken )
Wanderweg: Geo-Admin-Wanderkarte
Info/Buchung: https://sav-vallemaggia.ch/tours/fiorasca/
Der Weg ist auch Teil der Via Alpina, Teil des "Roten Wegs" R90: https://de.wikipedia.org/wiki/Via_Alpina
Das Rifugio Fiorasca ist ein klassischer Zwischenstopp auf dem Weg vom Bavonatal ins Lavizarra. Von Fontana führt der Weg in gut 5 Stunden über spektakuläre Treppen hinauf, immer begleitet von ebenso spektakulären Blicken tief hinunter ins Tal. Technisch wäre der Weg nicht schwer. Die Wege und Treppen seien angenehm breit, es gäbe keine hohen Stufen zu überwinden, so erzählte man uns. Für alle diejenigen, denen es nichts ausmacht, den Abgrund neben sich zu wissen, ist es ein phantastischer Aufstieg immer begleitet von wunderschönen Ausblicken. Immer wieder liest man, der Weg gehöre zu den schönsten Wanderstrecken des Tessins - klingt verlockend, leider ist genau dieser gepriesenen Optik wegen der Weg für mich "noch" unmöglich.
Und so wählen wir die "einfachere" Variante ab Alpe Brünesc bzw. Corte Grande.
In den unteren Lagen des Tessins sind die nächsten Tage bis 34 °C gemeldet, selbst auf 2000 m Höhe sollen es noch 24 °C werden. Da stehen große Fragezeichen im Raum wann wir losgehen. Nahezu der gesamte Weg führt durch schattenloses Gelände. Wir entschieden uns schließlich für einen Start in den Abend hinein. Wir kennen den Weg, haben gute Stirnlampen dabei, Gewitter sind nicht in Sicht, das scheint uns der beste Kompromiss gegen intensive Sonneneinstrahlung.
16:30 h sind wir bei Corte Grande. Mit seinen 1537 Höhenmetern ist die Luft hier schon deutlich angenehmer. In den letzten Sonnenstrahlen geht es durch schönen Lärchenwald zügig zu den Rustici von Piatto. Bis dorthin ist der Weg einfach. Heidelbeeren am Wegrand verleiten immer wieder zu kleineren Pausen, willkommene Stärkung für die nächsten anstrengenderen Höhenmeter.
Ab Piatto wird der Weg zunehmend anspruchsvoller. Der Pfad ist nicht immer eindeutig erkennbar, es sind aber reichlich Zeichen auf markanten Steinen verteilt, so dass man kaum die Orientierung verlieren kann. Hat man die Scharte auf 2000 m Höhe erreicht, ist ein Verlaufen ohnehin unmöglich - es gilt höchsten noch den besten Weg über Geröll und Gras zu finden. Der Weg führt zunehmend steil hinauf und ich merke, viel mehr Hangneigung dürfen es nicht mehr werden, der Blick nach unten wird langsam anstrengender.
Die Bocchetta selbst dagegen ist einfach zu durchwandern. Ich brauche zwar an manchen Stellen auch die Hände, aber man kann sich gut festhalten, die Felswände geben zudem das Gefühl von Sicherheit. Erst auf der anderen Seite kommt ein kurzes kniffliges Stück. Ein schmaler Pfad führt in engen Kehren an steiler Wiese hinunter. Trotz Tunnelblick - nur ja nicht die sehr abschüssige Wiese betrachten - komme ich hier nahezu an meine Grenzen - es sind vielleicht 50 knifflige Meter die es zu überstehen gilt aber dafür ist das Ziel in Sichtweite - das lockt.
Es geht noch 200 Höhenmeter nach unten, dabei verliert man die meiste Höhe im ersten Drittel nach der Bocchetta, danach geht es recht gemütlich langsam absteigend zur Hütte. Der Weg ist im ersten Abschnitt nicht immer klar zu erkennen, man muss sich quasi herantasten und ahnen wo die meisten Trittspuren sind, später wird es wieder einfacher.

































Oben Sein
Wir verbringen drei wunderbare Tage in herrlich erfrischender Bergluft. Unsere Mahlzeiten für die Zeit hatten wir raufgetragen, wobei es auch zur Not Essen in der Hütte zu finden gibt. Eine kleine Auswahl an Getränken gibt es ebenfalls in der Küchenhütte (Wein, Bier, Limo, Wasser...) ... und das Beste, es gibt sogar eine warme Dusche im zentralen Badehäuschen.
Morgens freute ich mich schon auf das Bimmeln der kleinen Ziegenglöckchen, die irgendwo weit über uns grasten. Nur einmal schauten sie in den Tagen zu uns herunter, tranken im Brunnen, schauten neugierig ob es was Interessantes zu finden gäbe, holten ihre Streicheleinheiten ab und verschwanden so schnell wieder wie sie angalloppiert kamen. Ein kurzes Berggewitter mit viel Getöse rundete unseren Aufenthalt zudem noch ab.
Wieder zurück in die Hitze
Da der größte Teil des Wegs bergab geht, starten wir diesmal morgens kurz nach 8 Uhr im Schatten der Berge. Bald erreichen wir ohne Anstrengung die Bocchetta. Heute erst fällt mir auf, dass die Aussichten rechts des Weges nach unten teilweise fordernd sind. Mag sein, dass ich nicht in Form, oder dünnhäutiger bin, aber ich fühle mich auf dem ersten Abschnitt nicht so recht wohl. Der kurze Aufstieg auf steilem Wiesengelände bis zum höchsten Punkt war optisch wieder eine Herausforderung. Was für eine Erleichterung, als wir auf die andere Seite es Berges kamen.
Im Rückblick zur Tour würde ich sagen, wer Schwierigkeiten mit Höhe bzw. Tiefblicken hat sollte sich langsam an die Wanderung heranwagen und immer Zeit für Rückzug mit einplanen. Die kniffligste Stelle ist der Abstieg über die steile Wiese direkt ab Bocchetta, wenn du die schaffst, ist der Rest kein Problem mehr.
Und nebenbei, unten im Tal hatten wir tatsächlich nahezu 34 °C und ich wünschte mich spontan wieder zurück in die Höhe ...














































